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Clostridien beim Rind –
Erfahrungen aus der Praxis

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass verschiedene Clostridienarten beim Rind Krankheiten auslösen können.

Im nachfolgenden Beitrag wird Clostridium perfringens als Faktorenerkrankung in der Milchviehherde unter die Lupe genommen.

Clostridien sind grampositive, anaerobe, sporenbildende Bakterien in Stäbchenform, die im Erdboden und im Verdauungstrakt von Mensch und Tier von Natur aus vorkommen. Sie können Eiweiß (=proteolytisch) oder Zucker, Stärke, Cellulose (=saccharolytisch) abbauen.

Clostridium perfringens gehört zu den normalen Darmbewohnern der Rinder. Durch Kotuntersuchungen in Speziallaboren lässt sich Clostridium perfringens Typ A fast bei jeder Kuh nachweisen. Cl. perfringens bildet Alpha-Toxine. Es ist ein Risikofaktor in der Herde und zeigt unspezifische Erkrankungssymptome wie Leistungsdepression, Durchfall, Septikämie.

Clostridien Milchviehgesundheit

Kommt es nun im Darm zu einer Dysbiose, d.h. die normale Bakterienflora im Darm verändert sich, wird das Tier krank. Eine Dysbiose könnte zum einen auftreten durch die Aufnahme hoher Mengen an Clostridien über das Futter, zum anderen durch die Vermehrung des Erregers im Darm. Dies wird begünstigt durch unverdaute Maisstärke, proteinreiches Nährstoffangebot oder Darmschädigung (Durchfall, Parasitenbefall).

Um therapeutisch im Betrieb die Situation zu verbessern, kann eine Bestandsimpfung gegen Clostridien hilfreich sein. Handelsübliche Clostridienvakzinen stehen zur Verfügung. Man kann aber auch bestandsspezifische Impfstoffe herstellen lassen.

Prophylaktisch ist folgendes zu tun:
1. Deutliche Verbesserung der Grassilagequalität und des Hygienestatus, d.h. Keimreduzierung in der Grassilage durch bessere Grünlandpflege und bessere Erntearbeit (Schnittzeitpunkt, Schnitthöhe, wenden, schwaden, häckseln, verdichten, Silierhilfsmittel usw.)
2. Regelmäßige Rationskontrollen konsequent durchführen mit dem Ziel, die Pansenfermentation und das Darmmilieu im Gleichgewicht zu halten.

Die Tierärztliche Bestandsbetreuung übernimmt eine wichtige Kontrollfunktion. Die Anforderungen an das Herdenmanagement werden in Zukunft steigen. Betriebsleiter und Tierarzt sollten deshalb ein gemeinsames betriebsindividuelles Tiergesundheitsmanagement errichten.

Was hat sich in den letzten 20 Jahren in der Landwirtschaft so verändert, dass Clostridien eine wichtige Rolle bei Herdenerkrankungen spielen können?

  • höhere Milchleistung (labile Stoffwechsellage)
  • einseitige Fütterung mit Schwerpunkt Mais
  • Futtermischwagen (Selektion schwieriger)
  • extensives Grünland (Überschwemmungsgebiet, Naturschutzgebiet)
  • ansteigende Gülledüngung (Viehzahl steigt bei knapper werdender Fläche)
  • mehr Fremdarbeitskräfte und Lohnunternehmer
  • rasantes Erntetempo (Großmaschinen)
  • mindere Grassilagequalität (Trockenmasse, pH, Rohasche)

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